Am
10. April 1978 wurde von der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig
der Beschluss zur Einleitung eines Operativ-Vorganges (OV) mit dem Decknamen
Bediener eingereicht. Bei den darin erfassten Personen
handelte es sich um eine Gruppe junger, miteinander befreundeter Leute, die
sich zunächst lediglich miteinander trafen, unterhielten und Bücher
austauschten. Im Laufe der Zeit gestalteten sich die Treffen regelmäßiger
und man beschäftigte sich auch mit verbotenen Büchern
und Themen. Dabei war den Teilnehmern zwar bewusst, dass sie sich nicht gerade
systemkonform verhielten, dennoch begriffen sie sich nicht als staatsfeindlich.
Im Gegenteil: Die meisten lehnten das System, in dem sie lebten nicht grundsätzlich
ab. Sie kamen jedoch durch ihre Gespräche immer mehr zu der Überzeugung,
dass einiges in ihrem Land nicht in Ordnung war.
Zu dem Zeitpunkt, an dem einige von ihnen den Entschluss fassten, sich damit
an die Öffentlichkeit zu wenden, wurden ihre Wohnungen bereits abgehört.
Mit Eingeschleusten Inoffizielle Mitarbeitern (sog. IM), Beschattungen
und den berüchtigten Geruchsproben (für den Fall der Fluchtgefahr)
bereitete sich die Staatssicherheit darauf vor, entsprechende Maßnahmen
einzuleiten.
In völliger Unkenntnis dieser Vorgänge begann ein Teil der Freunde
zusammen mit dem neu hinzugekommenen Heinrich Saar (der im Zuge des Harich-Prozesses
bereits eine langjährige Haftstrafe hinter sich hatte) mit der Herstellung
eines Flugblattes. Anlass war die Inhaftierung und Diffamierung von Rudolf Bahro.
Außerdem wurde die Losung Freiheit für Rudolf Bahro an
das Völkerschlachtmahl gemalt. >>>