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schaubühne am lehniner platz
Kritik vom 13.1.2004

Marc Bauder begleitet vier junge Menschen Anfang zwanzig, zwei Frauen und zwei Männer, Absolventen der European Business School, ein Jahr lang von ihrem Schulabschluss, durch die Bewerbung, den Berufseintritt, bei den ersten Schulungen, Arbeitserfahrungen und Aufträgen. Dabei rückt er beiläufig ihre Selbstwahrnehmung, ihr Welt- und Menschenbild ins Zentrum des Interesses. In den Sequenzen aus Bewerbungsgesprächen, Auswertungsrunden, Trainingscamps und Workshops entfaltet sich die weitgehend unbekannte und unzugängliche Welt der Beraterfirmen und ihrer Philosophien. Er zeigt eine neue Ideologie, die entstanden ist und im Begriff steht im Alltagsleben der Menschen bis in die feinsten Verästelungen die Macht zu ergreifen, um ihre Mission zu erfüllen: eine neuen dynamische und effiziente Gesellschaft, orientiert allein an den Maßstäben der Ökonomie.

Im Hintergrund wird in Interviews mit den Eltern, die wie lebende Familientableaus angelegt sind, die biografische Wurzel des gewählten Lebensweges sichtbar. Der Auftrag der Familienbiografie wird greifbar, wenn er das Paar beobachtet, wie es in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung die Gründung ihrer nun eigenen bürgerlichen Existenz reflektiert.

In den Interviews und Gesprächen mit den vier Berufsanfänger und ihrer Eltern und Vorgesetzten entfalten sich eine von ihrer Mission erfüllte neubürgerliche Welt, wie sie so noch nicht zum Thema oder zum Gegenstand einer Anteil nehmenden und zugleich im besten Sinne ideologiekritischen Dokumentation wird. Im besten Sinne kritisch ist dieser Film, weil die Widersprüche sich aus den Selbstdarstellungen und Aussagen der Protagonisten entwickeln und zuspitzen ohne dass es eines Kommentars bedürfte.

Jens Hillje
künstlerischer Leiter/Chefdramaturg

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